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Ältere Kandidaten haben es auf dem Arbeitsmarkt schwerer

Während die Erhöhung der Lebensarbeitszeit als ein Mittel gegen den Arbeitskräftemangel ins Spiel gebracht wird, tut sich der Arbeitsmarkt schwer mit älteren Kandidaten. Aber wie stehen aktuell die Chancen älterer Erwerbstätiger auf dem Arbeitsmarkt? Profitieren sie von dem großen Mangel an Arbeitskräften? Die Jobplattform Indeed hat mit dem Marktforschungsinstitut Appinio Erwerbstätige über 45 Jahren und Personaler nach ihren Erfahrungen zu Jobchancen für Ältere und Diskriminierung bei Bewerbungen befragt.

Personaler finden Kandidaten ab 60 Jahren zu alt fürs Unternehmen

Grundsätzlich zeigt sich, dass viele der befragten Personaler mehr oder wenige klare Altersgrenze für Kandidaten im Kopf haben: Denn über ein Viertel aller Befragten aus dem Personalbereich (28 Prozent) findet Kandidaten über 60 generell zu alt für ihr Unternehmen. Auch die über 55-Jährigen halten noch 20 Prozent der Personaler für zu alt und selbst Bewerber über 45 Jahre haben wegen ihres Alters bei acht Prozent der Befragten keine Chance auf eine Einstellung.

Jeder sechste Bewerbende fühlt sich aufgrund seines Alters sehr häufig benachteiligt

Da passt es ins Bild, dass laut der Umfrage das Empfinden, bei Bewerbungen benachteiligt zu werden, mit dem Alter zunimmt: Während sich bei den Erwerbspersonen über 45 Jahren 15 Prozent sehr häufig aufgrund ihres Alters benachteiligt fühlen (zwölf Prozent gelegentlich, 18 Prozent manchmal), sind es bei über 55-Jährigen sogar 21 Prozent, die sich häufig benachteiligt fühlen (14 Prozent manchmal, 15 Prozent gelegentlich).

43 Prozent formulieren – zumindest teilweise – Stellenanzeigen mit Diskriminierungspotenzial

Zu den scheinbaren Altersgrenzen in den Köpfen der Personaler passt, dass 43 Prozent der Personaler angeben, in ihren Stelleninseraten Formulierungen mit “jung” zu verwenden (z.B. “junges Team”): 19 der befragten Personaler verwenden diesen Begriff nach eigenen Angaben bei allen Jobanzeigen, 24 Prozent nutzen ihn immerhin teilweise.

Die Mehrheit der älteren Kandidaten fühlt durch das Schlagwort “jung” nicht angesprochen

Diese Wortwahl kann nicht nur nach dem Allgemeinen Gleichstellungsgesetz (AGG) als diskriminierend gewertet werden, sie hat offenbar tatsächlich einen ausgrenzenden Effekt: 71 Prozent der Befragten über 60 fühlen sich von diesen Jobangeboten nicht angesprochen. Doch nicht nur die Gruppe von Kandidaten wird ausgegrenzt, die ohnehin bei einem Teil der Personaler nicht auf dem Schirm ist. Auch unter den 45- bis 54-Jährigen fühlt sich bereits deutlich mehr als die Hälfte (60 Prozent) nicht angesprochen, wenn “jung” in einer Stellenanzeige auftaucht.

Ältere bekommen häufiger Chancen bei Bewerbungen

Dabei gibt es grundsätzlich die Bereitschaft bei Personalern, ihre Bewerbungsprozesse für Ältere zu öffnen: 53 Prozent der befragten Personaler geben an, älteren Kandidaten aufgrund des Arbeitskräftemangels häufiger eine Chance zu geben – bei jüngeren Bewerbern sind es nur 44 Prozent. Die älteren Erwerbstätigen nehmen diesen Trend durchaus zur Kenntnis: 34 Prozent der Befragten haben den Eindruck, dass sie im Zuge des Arbeitskräftemangels häufiger zu Bewerbungsgesprächen eingeladen werden. Allerdings sprechen nur 14 Prozent der Personaler gezielt ältere Kandidaten an – im Gegensatz zu 26 Prozent, die gezielt nach jüngere Kandidaten suchen.

Angebote für ältere Beschäftigte in der großen Mehrheit der Unternehmen

Zusätzlich zu den gestiegenen Chancen bei Bewerbungen können ältere Kandidaten von umfangreichen Maßnahmen profitieren, die Unternehmen speziell für sie anbieten: Bei fast 90 Prozent der befragten Personaler gibt es Angebote wie Altersteilzeit und die Förderung von Quereinsteigern (je 54 Prozent). Zudem investieren Unternehmen in Fortbildungen (49 Prozent) und Gesundheitsangebote (43 Prozent). Nur elf Prozent der Unternehmen haben überhaupt keine Angebote für ältere Beschäftigte.

Quelle: Indeed

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