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Schichtarbeit und Work-Life-Balance: Geht das?

Wechselnde Arbeitszeiten beanspruchen Körper und Psyche

Ob in der Automobilindustrie, in Krankenhäusern oder bei der Feuerwehr: In vielen Unternehmen und Einrichtungen wird rund um die Uhr gearbeitet. Schichtarbeit gehört deshalb für immer mehr Menschen zum Alltag. „Das kann zu gesundheitlichen Gefahren für die Beschäftigten führen. Denn wer stets zu wechselnden Tages- und Nachtzeiten arbeitet, ist körperlich und psychisch mehr beansprucht als Menschen, deren Aktivitäten sich am normalen Tag-Nacht-Rhythmus orientieren“, erklärt Antje Judick, Arbeitspsychologin bei der KKH Kaufmännische Krankenkasse. Eine der häufigsten Folgen des verschobenen Lebensrhythmus sind Schlafstörungen. Der Mangel an Schlaf kann langfristig zu Müdigkeit, Kopfschmerzen und Konzentrationsschwächen führen, aber auch das Essverhalten, Verdauungsprozesse und das Immunsystem beeinflussen. „Was viele nicht wissen: Schlafmangel wirkt sich sogar auf das Konsumverhalten aus. Es wurde wissenschaftlich nachgewiesen, dass Menschen, die sich nicht fit fühlen, mehr Geld ausgeben“, berichtet die Expertin. Um auch tagsüber erholsam zu schlafen, sollten Störquellen wie Licht und Lärm so gut wie möglich vermieden werden. Außerdem kann es hilfreich sein, bestimmte Routinen für das Zubettgehen zu entwickeln, sodass der Körper bald in den Schlafmodus findet.

Mehr als jeder siebte Beschäftigte in Deutschland arbeitete 2020 in einem Wechselschicht-System. Jeder Dritte war regelmäßig in den Abendstunden tätig, knapp 10 Prozent nachts. Das geht aus Daten des Mikrozensus 2020 hervor. „Jeder, der zu wechselnden Tages- und Nachtzeiten arbeitet, steht vor der Herausforderung, seinen Alltag an die Schichtarbeit anzupassen und zu versuchen, dennoch Routinen zu entwickeln“, weiß Antje Judick. Genaue Planungen und Absprachen können dabei helfen, Stress in der Freizeit zu vermeiden. Gemeinsame Mahlzeiten sind beispielsweise eine Möglichkeit, Zeit mit der Familie zu verbringen. „Schichtarbeit kann für die Psyche eine enorme Belastung sein. Deshalb sind ein gesundes Familienleben und Kontakt zu Freunden eine wesentliche Grundlage für das seelische Wohlergehen“, betont sie. Um auch körperlich fit zu bleiben und einen Ausgleich zur Arbeit zu schaffen, sollte zudem ausreichend Bewegung in den Alltag integriert werden. Viele gesunde Aktivitäten wie Radfahren oder Joggen sind unabhängig von der Tageszeit. Und auch immer mehr Fitnessstudios bieten lange Öffnungszeiten an.

Gerade wer seinem Job nachgeht, wenn andere schlafen, muss besonders auf seine Ernährung achten. Der Grund: Nachts befindet sich der Körper im Ruhemodus. Magen und Darm sind dann nicht auf die Verdauung schwerer Mahlzeiten eingestellt. Ideal ist es, vor der Nachtschicht ausgewogen Abend zu essen. Wenn sich nach einigen Stunden der Hunger meldet, sollten Arbeitnehmer zu einer leichten Zwischenmahlzeit wie Joghurt, Obst, Salat oder einem belegten Vollkorn-Brot greifen.

Und auch wenn es schwerfällt: Koffeinhaltige Getränke sollten nur in kleinen Mengen getrunken werden und etwa drei Stunden vor dem Zubettgehen überhaupt nicht mehr. Mit ihrer aufputschenden Wirkung rauben sie ansonsten den wohlverdienten Schlaf. Die dauernde Umstellung der Essenszeiten ist für den Körper eine enorme Belastung, die oft zu Appetitlosigkeit, Völlegefühl oder Verstopfungen führt. Langfristig können dadurch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Adipositas entstehen. Daher spielt eine angemessene Ernährung bei Schichtarbeit eine wichtige Rolle für die Gesundheit.

Quelle: KKH Kaufmännische Krankenkasse

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